Die echte Bundeslade
Jahrhundertelang wurde die original Bundeslade, die die 10 Gebotstafel beinhaltet, in der Kirche Mary of Zion in Aksum aufbewahrt, wo der Herrscher Iyasu sie, im Jahre 1691, als einer der letzten Personen, gesehen haben soll. Heute wird dieses einmalige Relikt in der Kapelle neben der Kirche Mary of Zion aufbewahrt, die während der Herrschaft des letzten Herrschers, Haile Selassie extra dafür gebaut wurde. Das Relikt ist in der Obhut eines einzigen, heiligen Mönches, der der Bundeslade dient, bis seine Zeit gekommen ist und er einen Nachfolger bestimmt. Niemand sonst kann sich ihr nähern, nicht einmal der Hohenpriester von Aksum.Ein erster Hinweis auf den Verbleib der Bundeslade in Äthiopien ist in dem mittelalterlichem, in Geez geschriebenen Epos "The Glory of Kings" zu finden. Es beschreibt wie Königing Sheba König Solomon in Jerusalem besuchte, um mehr von seiner Weisheit zu lernen. Solomon, beieindruckt von ihrer Intelligenz und ihrer Schönheit, begann zu hoffen, ein Kind mit ihr zeugen zu können, was ihm später auch gelang. Der Sohn, Menelik I, reiste im Erwachsenenalter nach Äthiopien um seinen Vater zu besuchen. Solomon benannte ihn zum König von Äthiopien, und befahl einigen seiner Ratgeber ihn nach Afrika zu begleiten.
Weil die jungen Israeliten äußerst unglücklich darüber waren, dass sie Jerusalem und die Tempel nie wieder sehen würden, entschieden sie, die Bundeslade mit sich zu nehmen. Münzen und Schriften belegen, dass die alten Könige von Aksum bis zum 4 Jh. nach Christus heidnisch waren. Es gibt keinen Beweis dafür, dass sie von König Solomon abstammten oder dass sie ein besonderes Interesse an der Bundeslade hatten.Der erste Bericht über den Verbleib der Bundeslade taucht Ende des 12 Jh. auf, in einem Brief eins Armeniers Abu Salih, der nach Cairo schrieb, dass die Äthiopier die Bundeslade besitzen, und diese von einer Gruppe hellhäutiger, blonder Israeliten, Nachkommen von König Solomon, bekommen hätten.
Manche Historiker behaupten, dass nach Abu Salihs Beschreibung wahrscheinlicher ist, dass die Bundeslade von einer geheimnisvollen Gruppe von Europäern anstatt von Israeliten gebracht wurde. Doch ein Lied über Solomon beschreibt ihn als hellhautig und blond. Abu Salih scheint Leute zu beschreiben, die er selbst nie gesehen hat, aber von denen man sagte, dass sie mit den Königen von Israel verwandt waren. Den vielleicht relevantesten Hinweis liefert Abu Salih, mit seiner Beschreibung hinsichtlich der Dekoration der Bundeslade, auf der er Kreuze beschreibt. Kreuze würden auf einer uralten, israelischen Bundeslade sehr ungewöhnlich sein. Wenn also Abu Salihs Behauptung zuverlassig ist, so scheint er eine spätere, christische Bundeslade zu beschreiben. Obwohl eine uralte holzerne Truhe in der trockenen Luft einer verschlossenen egyptischen Grabstätte uberdauert haben könnte, würde die Feuchtigkeit der äthiopischen Regenzeit sehr schädlich gewesen sein. Die Frage kommt auf, ob die Bundeslade in Äthiopien verwittern würde, doch die Steintafeln mit den 10 Geboten, die Moses uberreicht bekam, und für die die Bundeslade gebaut wurde, würden ohne Schaden überdauern.
Eigentlich beziehen sich die frühesten Berichte, die fremde Reisende in Äthiopien gemacht haben, eher auf eine Tafel als auf eine Lade und die Forschung zeigt, dass die Geistlichen von Aksum das grossartige Relikt auch eher als Tafel und weniger als Truhe beschreiben. Sie benutzen das doppeldeutige Wort 'sellat', das sowohl Bundeslade als auch Steintafel heißen kann. Es bezeichnet nicht nur die Steintafel des alten Testaments, sondern auch die Steintafel in Aksum und alle anderen zehntausende Replikas einer jeder äthiopischen Kirche. Dies dürfte für viele Missverstandnisse bei den frühen Reisenden gesorgt haben.
Während heilige Steintafeln mit Gottes Geboten in Mecca seit mindestens 16. Jahrhunderten überlebt haben, gibt es keinen Grund, warum eine uralte Steintafel nicht auch in Aksum überlebt haben könnte. Auch glauben die Geistlichen in Aksum definitiv, dass mehr als eine Steintafel oder eine Budeslade die echte Budeslade sein könnte. Ein aufmerksames Lesen der hebräischen und griechischen Versionen der Bibel zeigt auch Hinweise auf mehrere Bundesladen, was die äthiopische Sicht nicht unmöglich erscheinen lässt. Es scheint das die Bundeslade tatsächlich in Aksum ist, allerdings auf eine überaschend andere Art und Weise als bisher angenommen. Der reiche Symbolismus um die Bundeslade und den Gebotstafeln ist bis heute eine Inspiration für die äthiopisch orthodoxe Kirche und wird besonders bei Festzügen wie das Timket, St. Marys Tag, die Taufe Christi und Hedar Zion spürbar



